Warum die sorgfältige Vorbereitung so wichtig ist
Ein Tonabnehmer erzeugt nur eine sehr kleine elektrische Spannung. Ein klassisches Low-Output-MC-System liefert häufig nur etwa 0,2 bis 0,5 Millivolt, während viele MM-Systeme ungefähr 4 bis 5 Millivolt erreichen. Das Signal reagiert entsprechend empfindlich auf Brummeinstreuungen und schlechte Kontakte.
Verlegen Sie das Phonokabel deshalb möglichst nicht parallel und unmittelbar neben Netzkabeln. Netzteile, Transformatoren und andere Geräte mit stärkeren elektromagnetischen Feldern gehören nicht direkt unter oder unmittelbar neben den Plattenspieler. Müssen sich Netz- und Signalkabel kreuzen, ist eine möglichst rechtwinklige Kreuzung meist günstiger als eine lange parallele Führung.
Bevor Sie am Tonabnehmer arbeiten, stellen Sie den Plattenspieler mit einer Wasserwaage exakt waagerecht auf. Kontrollieren Sie dabei möglichst in Längs- und Querrichtung. Ein schief stehendes Laufwerk erschwert die Beurteilung des Tonarms und kann die Wirkung von Auflagekraft und Antiskating verändern.
Diese Hilfsmittel sind sinnvoll
- eine kleine Wasserwaage,
- eine präzise Tonarmwaage,
- eine zur Tonarmgeometrie passende Justageschablone,
- ein kleiner Schraubendreher beziehungsweise passender Innensechskantschlüssel,
- eine helle, möglichst schattenfreie Beleuchtung,
- eine Lupenbrille oder Lupe,
- eine Tonabnehmer- und Plattenbürste.
Schalten Sie Verstärker und Phonovorverstärker vor dem Anschließen der feinen Tonabnehmerkabel aus. Fassen Sie die Kabelschuhe und nicht die dünnen Drähte an. Die übliche Farbbelegung lautet Rot für rechts plus, Grün für rechts minus, Weiß für links plus und Blau für links minus. Entscheidend ist jedoch immer die Anleitung des Tonabnehmerherstellers.
Schritt 1: Eine vorläufige Auflagekraft einstellen
Für die geometrische Justage benötigt der Tonabnehmer bereits eine definierte Auflagekraft. Stellen Sie zunächst einen Wert in der Nähe der Herstellerempfehlung ein. Zwei Gramm sind ein häufig verwendeter Arbeitswert, dürfen aber nur gewählt werden, wenn sie innerhalb des zulässigen Bereichs des jeweiligen Tonabnehmers liegen.
Eine digitale Tonarmwaage ist dafür wesentlich verlässlicher als eine grobe Skala am Gegengewicht. Messen Sie möglichst auf der Höhe einer aufgelegten Schallplatte. Liegt die Waage deutlich höher oder tiefer, kann sich bei manchen Tonarmen ein leicht abweichender Messwert ergeben.
Die endgültige Auflagekraft wird erst nach Abschluss der geometrischen Arbeiten noch einmal kontrolliert und genau nach Herstellerangabe eingestellt.
Schritt 2: Den tangentialen Spurfehlwinkel justieren
Bei einem Drehtonarm bewegt sich der Tonabnehmer auf einem Kreisbogen über die Schallplatte. Anders als ein Tangentialtonarm steht er deshalb nur an bestimmten Punkten exakt tangential zur Rille. Dazwischen entsteht ein mehr oder weniger großer Spurfehlwinkel.
Die Position des Tonabnehmers im Langloch des Headshells bestimmt den Überhang. Durch leichtes Drehen des Systems wird zusätzlich der Kröpfungswinkel eingestellt. Beide Werte hängen miteinander zusammen. Ziel ist nicht, den Spurfehlwinkel an jeder Stelle vollständig zu beseitigen – das ist bei einem Drehtonarm nicht möglich. Stattdessen wird seine Verteilung über den bespielten Rillenbereich sinnvoll optimiert.
Senken Sie die Nadel vorsichtig auf das vorgesehene Justagefeld der Schablone ab. Der Nadelträger beziehungsweise die maßgebliche Bezugslinie des Tonabnehmers muss parallel zu den Längslinien der Schablone verlaufen. Beurteilen Sie nach Möglichkeit den Nadelträger und nicht nur das Gehäuse: Gehäuse und Nadelträger müssen nicht immer vollkommen parallel zueinander montiert sein.
Baerwald, Stevenson und Löfgren B: drei unterschiedliche Optimierungen
Für die Verteilung des Spurfehlwinkels haben sich mehrere Berechnungsgeometrien etabliert. Die drei bekanntesten sind Baerwald – bei gleichen Randbedingungen auch als Löfgren A bezeichnet –, Stevenson und Löfgren B. Sie verfolgen unterschiedliche Kompromisse:
- Baerwald/Löfgren A: ein ausgewogener Kompromiss mit geringer mittlerer Verzerrung über den üblichen Rillenbereich.
- Stevenson: legt einen Nullpunkt besonders weit nach innen und kann dadurch den innersten bespielten Bereich bevorzugen.
- Löfgren B: reduziert den mittleren Fehler über einen großen Teil der Platte stärker, nimmt dafür an den äußeren Randbereichen größere Abweichungen in Kauf.
Es handelt sich also nicht um eine richtige und zwei falsche Geometrien. Jede Methode setzt einen etwas anderen Schwerpunkt. Außerdem hängen die konkreten Werte vom zugrunde gelegten inneren und äußeren Rillenradius sowie von den Abmessungen des Tonarms ab.
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Die Besonderheit der AURA-HiFi-Justageschablone
Viele flache Universal-Schablonen besitzen zwei Nullpunkte. Der Tonabnehmer wird abwechselnd auf beiden Feldern kontrolliert. Stimmt die Ausrichtung am ersten Punkt, aber noch nicht am zweiten, müssen Überhang und Kröpfung erneut verändert und anschließend wieder an beiden Punkten geprüft werden. Das funktioniert zuverlässig, kann aber etwas Geduld erfordern.
Unsere AURA-HiFi-Justageschablone arbeitet mit einem Ausleger, der zusätzlich die Beziehung zwischen Plattentellerachse und Tonarmlager herstellt. Wenn die Schablone zum tatsächlichen Montageabstand des Tonarms passend eingestellt wird und der Ausleger korrekt auf das Lagerzentrum ausgerichtet ist, lässt sich die gewählte Geometrie mit einem Justagefeld einstellen. Die in der Abbildung gezeigte Ausführung ist für einen Montageabstand von 220 Millimetern berechnet. Die Schablone passt jedoch für jede Tonarmlänge.
Der Vorteil liegt nicht darin, dass ein einzelner Punkt grundsätzlich genauer wäre. Entscheidend ist die zusätzliche Referenz zum Drehpunkt des Tonarms. Sie legt die Geometrie eindeutig fest und erspart das wiederholte Wechseln zwischen zwei voneinander getrennten Messfeldern.
So wird das Justagefeld verwendet
- Schablone sorgfältig auf die Plattentellerachse setzen.
- Ausleger exakt auf das Zentrum des Tonarmlagers ausrichten.
- Nadel vorsichtig auf dem markierten Punkt absenken.
- Tonabnehmer im Headshell verschieben und drehen, bis Nadelposition und Längsausrichtung stimmen.
- Befestigungsschrauben abwechselnd und nur so fest anziehen, dass sich das System nicht mehr verschiebt.
- Ausrichtung nach dem Festziehen erneut kontrollieren.
Schritt 3: Den Azimut kontrollieren
Der Azimut beschreibt die seitliche Neigung des Abtastsystems, von vorne betrachtet. Im geometrischen Idealfall steht der Nadelträger senkrecht zur Plattenoberfläche, sodass der Diamant beide Rillenflanken gleichmäßig abtastet.
Die transparente Vorderseite beziehungsweise die Bezugslinien unserer Schablone erleichtern die Sichtkontrolle. Dabei dient ein waagerecht stehendes Tonabnehmergehäuse als guter Ausgangspunkt. Maßgeblich bleibt jedoch die tatsächliche Stellung von Nadelträger und Diamant. Fertigungstoleranzen können dazu führen, dass Gehäuse und Abtastgeometrie nicht vollkommen übereinstimmen.
Eine visuelle Grundeinstellung ist für viele Anlagen ausreichend. Die elektrische Feinjustage des Azimuts über Kanalübersprechen oder Pegelgleichheit erfordert dagegen eine geeignete Testschallplatte und Messtechnik. Ohne Erfahrung sollte sie nicht durch wahlloses Verdrehen des Tonabnehmers vorgenommen werden.
Schritt 4: Tonarmhöhe und vertikalen Spurwinkel einstellen
Der vertikale Spurwinkel – kurz VTA – hängt unter anderem von der Tonarmhöhe, der Bauhöhe des Tonabnehmers und der Dicke der Schallplatte ab. Als Ausgangspunkt stellen wir den Tonarm so ein, dass das Tonarmrohr bei abgesenkter Nadel ungefähr parallel zur Schallplattenoberfläche verläuft.
Mit den horizontalen und vertikalen Linien der Schablone lässt sich diese Grundstellung gut kontrollieren. Peilen Sie seitlich entlang des Tonarmrohrs. Achten Sie darauf, dass die Nadel mit korrekter Auflagekraft auf einer normalen Schallplatte oder einer gleich hohen Unterlage steht.
Die Tonarmhöhe kann anschließend gehörmäßig fein abgestimmt werden. Bereits ein oder zwei Millimeter können bei entsprechend empfindlichen Tonabnehmern hörbar sein. Wird das Tonarmlager hinten angehoben, kann die Wiedergabe tendenziell schlanker und präsenter erscheinen. Wird der Tonarm hinten abgesenkt, kann der Klang voller und dunkler werden. Das sind Erfahrungswerte, keine allgemeingültigen Klanggesetze.
Notieren Sie die Ausgangsposition und verändern Sie die Höhe nur in kleinen Schritten. Hören Sie nach jeder Veränderung dieselbe Passage mit unveränderter Lautstärke. Der beste Wert ist erreicht, wenn Stimmen natürlich wirken, der Bass konturiert bleibt und Hochtonauflösung und Räumlichkeit gemeinsam überzeugen.
Schritt 5: Auflagekraft und Antiskating abschließend einstellen
Nach den geometrischen Arbeiten kontrollieren Sie die Auflagekraft erneut mit der Tonarmwaage und stellen sie exakt auf den vom Tonabnehmerhersteller empfohlenen Wert. Die Herstellerangabe hat Vorrang vor pauschalen Empfehlungen.
Danach folgt das Antiskating. Es wirkt der Kraft entgegen, die den Tonarm während der Abtastung nach innen zieht. Viele Tonarme besitzen eine Skala, deren Zahlen ungefähr der eingestellten Auflagekraft entsprechen. Bei zwei Gramm Auflagekraft ist der Skalenwert zwei deshalb ein sinnvoller Ausgangspunkt.
Dieser Zahlenwert ist jedoch nicht automatisch eine messtechnisch exakte Übereinstimmung. Nadelschliff, Rillenmodulation und die Konstruktion des Tonarms beeinflussen die tatsächlich erforderliche Kompensation. Beachten Sie deshalb zuerst die Anleitung des Tonarms. Eine Testschallplatte kann bei der weitergehenden Kontrolle helfen.
Schritt 6: Abschließende Hörkontrolle und Pflege
Kontrollieren Sie die fertige Einstellung mit mehreren vertrauten und sauberen Schallplatten. Stimmen sollten stabil zwischen den Lautsprechern stehen. Laute Passagen sollten nicht einseitig oder auffällig scharf verzerren. Achten Sie außerdem auf einen konturierten Bass, klare Höhen und eine ruhige räumliche Abbildung.
Verändern Sie bei der Feinabstimmung immer nur einen Parameter. Wer gleichzeitig Auflagekraft, Tonarmhöhe und Antiskating korrigiert, kann die Ursache einer klanglichen Veränderung später nicht mehr nachvollziehen.
Eine saubere Nadel und eine staubfreie Schallplatte sind ebenfalls wichtig. Verwenden Sie regelmäßig eine geeignete Plattenbürste und reinigen Sie den Diamanten vorsichtig mit einer Tonabnehmerbürste in der vom Hersteller empfohlenen Richtung. Seitliche Bewegungen oder ein Bürsten von hinten nach vorne können den empfindlichen Nadelträger beschädigen.
Die komplette Tonabnehmerjustage in der richtigen Reihenfolge
- Plattenspieler waagerecht ausrichten.
- Tonabnehmer nach Herstellerangabe verkabeln.
- Vorläufige Auflagekraft innerhalb des zulässigen Bereichs einstellen.
- Überhang und Kröpfungswinkel mit der passenden Schablone justieren.
- Azimut visuell kontrollieren.
- Tonarmrohr als VTA-Ausgangspunkt parallel zur Platte einstellen.
- Befestigung und Geometrie erneut prüfen.
- Endgültige Auflagekraft nach Herstellerangabe einstellen.
- Antiskating nach Tonarmanleitung als Ausgangspunkt einstellen.
- Mit vertrauten Schallplatten hören und jeweils nur einen Parameter feinjustieren.
Häufige Fragen zur Tonabnehmerjustage
Kann ich jeden Tonabnehmer zunächst auf zwei Gramm einstellen?
Nein. Zwei Gramm sind ein verbreiteter Arbeitswert, dürfen aber nur verwendet werden, wenn sie innerhalb des vom Hersteller angegebenen Auflagekraftbereichs liegen. Maßgeblich sind die technischen Daten des konkreten Tonabnehmers.
Ist Baerwald immer die beste Geometrie?
Nein. Baerwald/Löfgren A bietet einen sehr ausgewogenen Kompromiss über den üblichen Rillenbereich. Stevenson oder Löfgren B können je nach gewünschter Fehlerverteilung ebenfalls Alternativen sein. Wichtig ist, dass Schablone, Montageabstand und gewählte Geometrie zusammenpassen.
Warum besitzt die AURA-HiFi-Schablone nur ein Justagefeld?
Der Ausleger stellt zusätzlich die Referenz zum Drehpunkt des Tonarms her. Bei passendem Montageabstand werden Überhang und Geometrie dadurch eindeutig vorgegeben. Deshalb genügt ein sorgfältig verwendetes Justagefeld.
Muss der Tonarm immer exakt parallel zur Platte stehen?
Die parallele Stellung ist ein guter Ausgangspunkt. Die optimale Tonarmhöhe kann abhängig von Tonabnehmer, Nadelschliff und Plattendicke geringfügig abweichen und anschließend gehörmäßig oder messtechnisch feinjustiert werden.
Ist der Antiskating-Wert immer identisch mit der Auflagekraft?
Der gleiche Skalenwert ist bei vielen Tonarmen eine sinnvolle Grundeinstellung. Er ist aber nicht automatisch exakt, weil Skalen und Mechanismen unterschiedlich arbeiten und die Skatingkraft während der Plattenseite variiert.
Fazit: Präzision lohnt sich
Ein gut justierter Tonabnehmer klingt deutlich besser als ein System, das lediglich nach Augenmaß montiert wurde. Die korrekte Geometrie verringert Spurfehlwinkel, eine passende Auflagekraft unterstützt die sichere Abtastung und die sorgfältige Einstellung von Azimut, VTA und Antiskating verbessert die Arbeitsbedingungen des Diamanten in der Rille.
Die Justage ist allerdings nicht ganz einfach: Der Nadelträger ist empfindlich, die Abstände sind klein und mehrere Einstellungen beeinflussen sich gegenseitig. Arbeiten Sie deshalb ohne Zeitdruck, mit gutem Licht und immer in nachvollziehbaren Schritten.
Sie möchten Ihren Tonabnehmer professionell montieren und justieren lassen? Besuchen Sie uns bei AURA HiFi in Essen. Wir übernehmen die Montage, geometrische Ausrichtung und Feinjustage Ihres Tonabnehmers und kontrollieren die entscheidenden Einstellungen sorgfältig.
Als Video auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=wQwdVy5fxRE
Quellen und weiterführende Informationen
- Audio-Technica: Tonabnehmermontage und Überhangeinstellung
- Ortofon: Hinweise zu Auflagekraft und Tonabnehmerausrichtung
- Ortofon MC Quintet Black S: technische Daten eines Low-Output-MC-Tonabnehmers
- Ortofon 2M Black: technische Daten eines MM-Tonabnehmers
- Pro-Ject: Bedienungsanleitung mit Auflagekraft- und Antiskating-Einstellung






