Aura hifi erklärt 07. November 2026 8 Min. Lesezeit

Eckabsorber selbst bauen: Mit einfachen Mitteln zu einem kontrollierteren Bass

Raumakustik in der Praxis: Warum die Raumecken so wichtig sind und wie unser einfacher DIY-Absorber funktioniert

Eckabsorber selbst bauen: Mit einfachen Mitteln zu einem kontrollierteren Bass

Wer sich intensiver mit der eigenen HiFi-Anlage beschäftigt, kennt das Problem: Die Lautsprecher sind sorgfältig ausgesucht, die Aufstellung wurde mehrfach verändert und trotzdem wirkt der Bass an manchen Stellen im Raum zu kräftig, unpräzise oder nachschwingend.

Die Ursache muss nicht bei den Lautsprechern liegen. Sehr häufig ist der Raum beteiligt.

Gerade im Bassbereich bilden sich zwischen den Begrenzungsflächen eines Hörraums sogenannte Raummoden. Bestimmte Frequenzen werden dadurch deutlich stärker wiedergegeben als andere. An anderen Stellen können sie sich wiederum teilweise auslöschen. Das Ergebnis ist ein Bass, der je nach Hörplatz sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Bei Aura HiFi beschäftigen wir uns deshalb seit vielen Jahren nicht nur mit Geräten und Lautsprechern, sondern auch mit deren Zusammenspiel mit dem Raum.

Warum ein Eckabsorber?

In den Raumecken treffen mehrere Begrenzungsflächen aufeinander. Gerade im tieferen Frequenzbereich können dort hohe Schalldruckpegel entstehen.

Das macht die Ecken zu interessanten Positionen für akustische Maßnahmen.

Ein poröser Absorber nimmt einen Teil der Schallenergie auf und wandelt sie innerhalb seines Füllmaterials in sehr geringe Mengen Wärme um. Das klingt zunächst abstrakt. In der Praxis geht es um etwas sehr Einfaches: Der Schall soll nicht ungebremst immer wieder zwischen den Wänden hin- und herlaufen.

Ein ausreichend großer Absorber kann dadurch das Nachschwingen bestimmter Frequenzbereiche reduzieren.

Das Ziel ist dabei nicht, möglichst viel Bass aus dem Raum zu entfernen. Ein guter Hörraum soll schließlich nicht trocken und leblos wirken.

Es geht vielmehr darum, störende Überhöhungen und langes Nachschwingen zu reduzieren.

Unser Ansatz: möglichst einfach bauen

Wir wollten einen Absorber entwickeln, den man mit überschaubarem Aufwand selbst herstellen kann und der sich trotzdem wohnraumfreundlich integrieren lässt.

Unser Aufbau besteht im Wesentlichen aus wenigen Teilen:

  • einer flexiblen Bambusmatte als sichtbarer Außenfläche
  • einer luftdurchlässigen Rückseite
  • hochflauschiger Polyester-Füllwatte
  • einer oberen und unteren Schaumstoffplatte zur Stabilisierung

Die Bambusoberfläche hat dabei nicht nur eine optische Funktion. Durch die einzelnen schmalen Bambusleisten ist die Oberfläche nicht vollständig geschlossen.

Der Schall kann deshalb teilweise in den Absorber eindringen.

Gleichzeitig entsteht eine strukturierte Oberfläche, die höhere Frequenzen nicht einfach vollständig verschluckt. Genau das ist uns wichtig: Ein Bassabsorber sollte nicht automatisch den gesamten Raum im Mittel- und Hochtonbereich immer stärker bedämpfen.

Warum hochflauschige Polyesterwatte?

Für unseren Aufbau verwenden wir lockere, hochflauschige Polyester-Füllwatte.

Ein poröser Absorber funktioniert nur dann sinnvoll, wenn Luft zwischen den Fasern hindurchströmen kann. Bei der Bewegung der Luft entstehen durch Reibung Verluste, wodurch ein Teil der Schallenergie abgebaut wird.

Deshalb ist es nicht sinnvoll, das Material möglichst fest zusammenzupressen.

Mehr Material bedeutet nicht automatisch mehr Wirkung.

Die Füllung sollte locker bleiben und möglichst viel Volumen einnehmen.

Bei unserem Aufbau verwenden wir drei Einheiten mit jeweils etwa einem Kilogramm Polyester-Füllwatte. Die genaue Wirkung hängt allerdings nicht nur von der Materialmenge ab, sondern ebenso von den Abmessungen des Absorbers, seiner Position und natürlich vom jeweiligen Raum.

Die Position ist mindestens genauso wichtig wie der Absorber selbst

Wir setzen die Absorber bevorzugt in den vorderen Raumecken hinter beziehungsweise seitlich hinter den Lautsprechern ein.

Das ist jedoch keine allgemeingültige Regel.

Jeder Hörraum verhält sich anders.

Raumgröße, Raumproportionen, Lautsprecherposition, Hörplatz, Fenster, Türen und Möblierung beeinflussen das Ergebnis.

Deshalb lohnt sich ein einfacher Versuch.

Stellen Sie einen Absorber zunächst nur provisorisch in die betreffende Ecke und hören Sie einige vertraute Musikstücke. Besonders hilfreich sind Aufnahmen mit klar strukturiertem Bass, akustischem Kontrabass, Bassdrum oder tiefen elektronischen Tönen.

Achten Sie weniger darauf, ob der Bass einfach „weniger“ wird.

Interessanter sind andere Fragen:

Ist eine Basslinie besser nachvollziehbar?

Klingen einzelne Töne gleichmäßiger?

Verschwindet ein störendes Dröhnen?

Enden Bassimpulse schneller?

Wird die räumliche Abbildung stabiler?

Gerade der letzte Punkt überrascht manchmal. Raumakustische Probleme im Bass können nämlich auch die Wahrnehmung von Räumlichkeit beeinflussen. Wenn tieffrequente Energie lange im Raum nachschwingt, überlagert sie zeitlich nachfolgende Informationen.

Was darf man von einem solchen Absorber erwarten?

Hier ist etwas Zurückhaltung sinnvoll.

Ein selbst gebauter Eckabsorber ersetzt keine vollständige akustische Planung und kann auch nicht jede ausgeprägte Raummode beseitigen.

Vor allem sehr tiefe Frequenzen sind schwierig zu absorbieren. Dafür wären bei rein porösen Absorbern normalerweise sehr große Bautiefen notwendig.

Trotzdem kann bereits eine relativ einfache Maßnahme hörbar sinnvoll sein, wenn im entsprechenden Frequenzbereich genügend Material an einer günstigen Position eingesetzt wird.

Wir betrachten unseren Eckabsorber deshalb nicht als akustisches Wundermittel, sondern als pragmatische Möglichkeit, mit überschaubarem Aufwand in die Raumakustik einzusteigen.

Und gerade das finden wir interessant.

Erst hören, dann weiterbauen

Raumakustik lässt sich messen. Sie lässt sich aber auch sehr gut schrittweise untersuchen.

Deshalb empfehlen wir bei solchen Projekten nicht, sofort den ganzen Raum mit Absorbern auszustatten.

Beginnen Sie mit zwei Ecken.

Hören Sie.

Verändern Sie die Position.

Wenn möglich, vergleichen Sie mit und ohne Absorber.

Wer weitergehen möchte, kann anschließend auch Messungen der Frequenzgänge und vor allem des zeitlichen Ausschwingverhaltens durchführen.

So erkennt man wesentlich besser, ob eine Maßnahme tatsächlich dort wirkt, wo das Problem liegt.

Raumakustik gehört für uns zur HiFi-Anlage

Wir erleben im Alltag immer wieder, dass bei Klangproblemen zunächst über neue Lautsprecher, Verstärker oder Kabel nachgedacht wird.

Manchmal ist das richtig.

Manchmal ist aber der Raum der entscheidende Punkt.

Ein guter Lautsprecher kann nur das wiedergeben, was anschließend im Raum daraus entsteht.

Deshalb gehören Lautsprecheraufstellung und Raumakustik für uns ganz selbstverständlich zu einer guten HiFi-Beratung.

Unser Eckabsorber ist ein Beispiel dafür, dass man dabei nicht immer mit komplizierten oder teuren Lösungen beginnen muss.

Ein wenig Material, etwas handwerkliche Arbeit und ein systematischer Hörvergleich können bereits erstaunlich aufschlussreich sein.

Wer den Absorber selbst nachbauen möchte, kann uns gerne ansprechen. Wir stellen eine Materialliste und die grundlegende Bauanleitung zur Verfügung.

Und wenn Sie nicht sicher sind, ob ein Bassproblem tatsächlich vom Raum kommt, können wir uns auch genau darüber unterhalten. Denn bevor man einen Raum behandelt, sollte man zunächst möglichst genau verstehen, was darin eigentlich passiert.

Bauanleitung

Die äußere Hülle besteht aus einer flexiblen Bambusmatte mit den Maßen 250 × 200 cm. Diese wird in der Mitte geteilt, sodass zwei Teile mit jeweils 125 × 200 cm entstehen – ausreichend für zwei Absorber.

Jede Hälfte wird zu einer runden Säule geformt. Zwischen den äußeren Bambusrippen werden mit einem schmalen Schraubendreher kleine Öffnungen vorgestochen, durch die Kabelbinder geführt werden.

Pro Absorber empfehlen wir mindestens sechs Kabelbinder, gleichmäßig über die Länge der Matte verteilt. Damit wird die Bambusrolle zusammengehalten.

Anschließend wird unten eine passende runde Schaumstoffplatte eingesetzt, die der Konstruktion ihre Form gibt.

Danach wird die Säule aufgestellt und mit dem Absorptionsmaterial gefüllt.

Wir verwenden inzwischen bevorzugt hochflauschige Polyester-Füllwatte, ungefähr 4 kg pro Absorber. Diese gibt es auch bereits in luftdurchlässigen 1-kg-Säcken.

Zum Schluss wird oben eine zweite runde Schaumstoffplatte eingesetzt. Damit ist der Absorber fertig.

Material für zwei Eckabsorber

Bambusmatte, 250 × 200 cm
ca. 50 €
https://www.amazon.de/dp/B003OF6OKI

Kabelbinder
ca. 5 €
https://www.amazon.de/dp/B0FH9NB6KF

Polyester-Füllwatte, insgesamt ca. 8 kg
ca. 60–80 €
https://www.amazon.de/dp/B0B1Q8P155

Runde Schaumstoffplatten für oben und unten
ca. 8 € je nach benötigter Menge
https://www.amazon.de/dp/B0BZZSGRK8

Alternative Füllmaterialien

Statt Polyesterwatte kann auch Schafwolle verwendet werden.

Lose Schafwolle:
Wir würden zunächst mit etwa 5–6 kg pro Absorber rechnen. Die Schafwolle sollte in luftdurchlässige Wäschesäcke gefüllt werden.

Schafwolle:
https://www.amazon.de/dp/B08QDDQ4RW

Wäschesäcke:
https://www.amazon.de/dp/B09P88KX75

Schafwoll-Dämmmatten:
Eine weitere Möglichkeit sind spezielle Dämmmatten aus Schafwolle, die passend zugeschnitten und in die Bambussäule eingesetzt werden können.

https://www.amazon.de/dp/B0BSH39R5W

Diese Variante haben wir allerdings noch nicht selbst auf ihre akustische Wirkung untersucht.

Kosten

Für die Ausführung mit Polyesterwatte sollten Sie mit einem Materialbudget von ungefähr 100 € pro Absorberrechnen.

Die Amazon-Links dienen lediglich als Beispiele für leicht erhältliche Materialien. Vergleichbare Produkte können selbstverständlich auch anderswo bezogen werden.

Die Absorber sind insbesondere für die Aufstellung in Raumecken gedacht. Dort können sie helfen, das Nachschwingen im Bassbereich zu reduzieren. Die tatsächliche Wirkung hängt allerdings von der Raumakustik und der verwendeten Füllung ab.